25.10.2014

Museum of Broken Relationships | Parlamentarium Brüssel

Introtafel mit einleitendem Text
Introtext auf der Tafel im Eingangsbereich
Der Verlust des Lebenspartners, die Trennung vom geliebten Menschen, von der Person die man – zumindest zeitweise – für den einzig wichtigen Inhalt seines Lebens hielt. Die Partnerschaft, die ein gemeinsames Leben schuf – Aus. Die Gefühle: Trauer, Schmerz, Hass, Erleichterung. Das Drüberhinwegkommen: ein Kinderspiel, eine Kraftanstrengung, niemals möglich?

Kann man diese Emotionen, den Ausnahmezustand der Gefühlswelt, die Stimmung, die eine zerbrochene Beziehung erzeugt, in einer Ausstellung fassen?

Exponate auf einfachen Holzpodesten
Blick in die Ausstellung
Der Besuch des „Museum of Broken Relationships“ macht jedem Ausstellungskurator Mut. Denn tatsächlich ist es geglückt, mit den althergebrachten, ureigensten Mitteln des Museums den komplexen, diffusen Ausstellungsgegenstand Emotion und subjektive Gefühle zu greifen. Allein durch das gekonnte Zusammenspiel von Text und Objekt, allein durch das „handwerkliche“ Geschick der Kuratoren – großartig! Für mich ist diese Ausstellung Inspiration, aber vor allem Motivation, sich auf die eigenen Kompetenzen und Fähigkeiten zu konzentrieren und das Format Ausstellung auch für vermeintlich unkonventionelle Themen zu öffnen.

Das Prinzip des "Museum of Broken Relationships" und sein Konzept wird anhand der virtuellen Ausstellung im Netz deutlich:

  • Lieblingsexponat? – Jeder Besucher findet zum einen oder anderen Objekt, das eine zerbrochene Beziehung symbolisiert, seinen ganz persönlichen Zugang. 
  • Nachmachen! – Jenseits von Historiographie und dinglicher Phänomenologie erfordert es Mut und noch mehr Können, um eine aussagekräftige, attraktive Ausstellung zu konzipieren.
  • Was stört? – Diese Ausstellung hat es nicht verdient das bloße Anhängsel des Parlamentariums zu sein. 
  • Wie hinkommen? – Das Parlamentarium liegt direkt am Sitz des Europäischen Parlaments. Eine nahe Metrostation ist "Schuman". 
  • Charme? – Die Location spielt bei dieser Ausstellung keine große Rolle. Der Charme entwickelt sich allein durch die Objekte und die fantastisch geschriebenen Texte.  
  • Jahreskarte oder Tagesticket? – Ein weiterer Standort des "Museum of Broken Relationship" befindet sich in Zagreb. Einfacher zu erreichen ist die oben erwähnte virtuelle Ausstellung. 
  • Was gibt’s noch? – Das "Museum of Broken Relationships" schöpft einen großen Mehrwert aus dem europäischen Gedanken, den es transportiert. In dieser Ausstellung verschwinden die Grenzen Europas, die Menschen werden durch einen gemeinsamen emotionalen Rahmen geeint. Man verliert sich in den persönlichen Geschichten, ohne zu Hinterfragen, aus welchem europäischen Staat der Erzähler eigentlich stammt. 
Die Exponate liegen auf Holzpodesten,
die teilweise von unten illuminiert sind.
Der Besucher kommt den Objekten genauso nahe,
wie den Personen, deren Geschichten er liest.
Objekt + Text; mehr muss nicht sein

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