Vielleicht mag man sich stören an den durch die Gänge rennenden Kindern und an den Erwachsenen, die alles, was sich nicht bewegt, glauben fotografieren zu müssen. Aber die lauten „Wows“ und „Ooohs“ zeugen doch von einer Begeisterung, die förderungswürdiger ist als das flüsternde Getuschel (bei dem ich mich manchmal selber ertappe) einer betuchten Kulturelite, die den Kirchenbesuch ins Museum verlegt hat.
Die gigantische Eingangshalle mit der von Licht durchfluteten Kuppel versetzt mich in beinahe kindliches
Staunen. Das beruht nicht nur auf ihrer Größe, sondern auf ihrer einladenden Weite, die durch den starken Lichteinfall und den in hellen Farben gehaltenen Innenausbau entsteht. Auf dem Weg in die oberen Stockwerke zur Sonderausstellung über asiatische Propaganda-Kunst widerstehe ich der Versuchung, an den Mumien und weiteren Zeugnissen jahrtausender alter Geschichte zu verweilen, da ich sonst an diesem Tag nicht mehr aus diesem Haus gelangen werde. Je weiter ich nach oben komme, desto dünner ist das Museum mit Besuchern besiedelt. Der Sonderausstellungsraum ist nur sehr spärlich besucht, was vermutlich an der Thematik und an den weniger pompösen, fast ausschließlich zweidimensionalen Objekten liegen dürfte. Die Wände des Raums überraschen negativ durch ihre Erneuerungsbedürftigkeit: ein ausgeblichenes Braun, das wenig frisch und einladend wirkt.
Staunen. Das beruht nicht nur auf ihrer Größe, sondern auf ihrer einladenden Weite, die durch den starken Lichteinfall und den in hellen Farben gehaltenen Innenausbau entsteht. Auf dem Weg in die oberen Stockwerke zur Sonderausstellung über asiatische Propaganda-Kunst widerstehe ich der Versuchung, an den Mumien und weiteren Zeugnissen jahrtausender alter Geschichte zu verweilen, da ich sonst an diesem Tag nicht mehr aus diesem Haus gelangen werde. Je weiter ich nach oben komme, desto dünner ist das Museum mit Besuchern besiedelt. Der Sonderausstellungsraum ist nur sehr spärlich besucht, was vermutlich an der Thematik und an den weniger pompösen, fast ausschließlich zweidimensionalen Objekten liegen dürfte. Die Wände des Raums überraschen negativ durch ihre Erneuerungsbedürftigkeit: ein ausgeblichenes Braun, das wenig frisch und einladend wirkt.
Die Plakate und Bilder aus dem asiatischen Raum des 20. Jahrhunderts hingegen
überzeugen – mit ihrer politischer Raffinesse, ihren ästhetischen Ansprüchen
und ihrem Unterhaltungswert: die Kunst zu beeinflussen. Mit Propaganda ist
jedoch nicht nur düstere Manipulation gemeint, wie sie im Westen oft verstanden
wird. Ob von Regierungen oder Widerstandsbewegungen produziert, zielt diese auch
darauf ab, zu Engagement und Aktionen zu inspirieren und Farbe zu bekennen. Die
Ausstellung setzt sich mit politisch-agitativer Kunst zwischen 1900 und 1976,
einer Ära der Revolutionen, des Kolonialismus und des Nationalismus,
auseinander.
Ob japanische Karikaturen über die Vorherrschaft im Pazifischen
Raum, japanische Comics zur Rechtfertigung der Errichtung Manchukuos, indische
Lithographien der Göttin Shiva mit enthaupteten Briten an ihrem Gürtel oder
vietnamesische Anti-Kriegs Gemälde, die zum Umbau von Panzern zu Traktoren
aufrufen – die Exponate zeugen von unterschiedlichsten Stilmittel des
bildlichen Erzählens, die durch ihre Vielfalt und ihre Kreativität
beeindrucken.
Zum Ausgang begebe ich mich durch die kulturanthropologischen Räume.
Die Fülle und Qualität der Objekte an sich, aber ebenso die Art und Weise, wie
sie ausgestellt sind, gefallen – in alle Himmelsrichtungen ist einfach genügend
Platz, um den Ausstellungsstücken Raum zur Entfaltung geben zu können. Ich
streife vorbei an aztekischen Totenschädeln aus Jade, an Prärie-Federschmuck
und Schnitzereien der Nordwestküste. In der letzten Halle zeugen entlang der
Wände Objekte aus verschiedensten Kulturen davon, wie Menschen mit seelischen
und körperlichen Krankheiten umgehen.
Im Zentrum des Raumes wird es mir zunehmend unwohler. Denn hier werden die anthropologischen Konstanten Leben, Leid, Tod unter dem simplen Titel „Living and Dying“ auf verstörende Weise präsentiert: mehrere, aneinander gereihte Tische sind mit Pillen in grell-bunten Farben übersät. Dazwischen liegen private Fotografien mit handschriftlichen Notizen. Allmählich erkenne ich, dass es sich um Lebensmomente von Menschen handelt, die kurz vor ihrem Tod stehen. Das sind keine einladenden Themen, aber essentielle, mit denen Besucher öfters konfrontiert werden sollten. Es sind Themen, die bedeutender sind als alte Goldschwerter und Kronjuwelen; Dinge des Lebens, die uns traurig machen, aber uns sowohl als Individuen als auch als Gemeinschaft bereichern können, wenn sie einem an solch zentralen, öffentlichen Ort wie dem Museum behandelt werden. Um mit dem französischen Philosophen Pierre Zaoui zu sprechen: „Krankheit. Sterben. Tod. Wir müssen nicht alles verdrängen.”
Im Zentrum des Raumes wird es mir zunehmend unwohler. Denn hier werden die anthropologischen Konstanten Leben, Leid, Tod unter dem simplen Titel „Living and Dying“ auf verstörende Weise präsentiert: mehrere, aneinander gereihte Tische sind mit Pillen in grell-bunten Farben übersät. Dazwischen liegen private Fotografien mit handschriftlichen Notizen. Allmählich erkenne ich, dass es sich um Lebensmomente von Menschen handelt, die kurz vor ihrem Tod stehen. Das sind keine einladenden Themen, aber essentielle, mit denen Besucher öfters konfrontiert werden sollten. Es sind Themen, die bedeutender sind als alte Goldschwerter und Kronjuwelen; Dinge des Lebens, die uns traurig machen, aber uns sowohl als Individuen als auch als Gemeinschaft bereichern können, wenn sie einem an solch zentralen, öffentlichen Ort wie dem Museum behandelt werden. Um mit dem französischen Philosophen Pierre Zaoui zu sprechen: „Krankheit. Sterben. Tod. Wir müssen nicht alles verdrängen.”
Lieblingsexponat? – Sonderausstellung: „All for the sake of peace“ by Nguyen
Cong Do
Dauerausstellung: die schwarzen Totschläger der Maori, die an moderne Polizeiknüppel erinnern
Dauerausstellung: die schwarzen Totschläger der Maori, die an moderne Polizeiknüppel erinnern
Nachmachen! – kann man nicht, da wohl kaum ein Museum soviel Platz und
Geld hat
Was stört? – der Schulkantinengeruch im Erdgeschoss
Wie hinkommen? – alle Wege führen ins British Museum
Charme? – das Monströse, weil es nicht bedrohlich, sondern zum
Schmunzeln ist
Jahreskarte oder Tagesticket? – gibt es überhaupt ein Tagesticket?
Was gibt´s noch? – Das „Amico Bio“: ein rein vegetarisches
italienisches Restaurant, in dem alle Speisezutaten aus ökologischem Anbau
stammen – und das in einer gemütlichen Lokalität zu absolut erschwinglichen
Preise gleich um die Ecke vom Museum in der 43 New Oxford Street
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