
Leider kann ich an dieser Stelle nicht von einem Aha-Erlebnis oder einer Überraschung berichten. Die Wanderausstellung ist so, wie es zu erwarten war. Ohne diese Informationsschau auf Stellwänden überbordend kritisieren zu wollen, hier ein paar Gedanken zum wesentlichen Fehler von Informationsausstellungen dieser Art.
Die Ausstellung verdeutlicht, was in zweidimensionaler Form, als Wandpräsentation – das gilt auch für Powerpoint Präsentationen – nicht funktioniert: viel Informationen, Fakten über Fakten.
Der grundsätzlich falsche Ansatz: Ein komplexes Themenfeld wird in dieser Wanderausstellung komplex dargestellt und möglichst umfassend erklärt. Die Texte strotzen vor Fachbegriffen, ein Fakt folgt dem anderen. Die Fotos mit ihren detaillierten Unterschriften tragen nicht zur Klärung bei, im Kopf bleiben keine Impressionen.
Es wird versucht Einzelthemen wie Wahlsystem, internationale Kooperationen, Gremienarbeit etc. in Gänze zu erläutern. Auf der Strecke bleiben dabei die Grundinformationen. Vertiefendes Detailwissen könnte über Sekundärmedien (Faltblätter, Websites) – und nur über diese – bereit gestellt werden. Wichtiger sind in dieser visuellen, räumlichen Darstellungsart die großen Zusammenhänge, die einprägsamen Bilder.
Was könnte das Format Ausstellung in diesem Zusammenhang also leisten? Es kann keine Schul- und Fachbücher ersetzen. Es kann pointiert basale Informationen und ein aufklärendes Bild des Parlaments liefern. Intention sollte sein, dass jede Besucherin, jeder Schüler nach Betrachten der Tafeln eine Vorstellung des Bundestages und seines Wirkens hat. Eine Ausstellung birgt die Mittel komplexe Inhalte pointiert, vereinfacht und klar verständlich darzulegen.
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Lineale, Jutebeutel, Milzpastillen – als sollten die Besucherinnen mit kleinen Geschenken für den Ausstellungsbesuch entschädigt werden... |
- Lieblingsexponat? – Die Wanderausstellung enthält keine Objekte, was bei diesem Format auch schwerlich umzusetzen wäre.
- Nachmachen! – Zwischen den Stellwänden können zahlreich Give-aways abgegriffen werden; so nimmt auch von dieser Ausstellung jeder etwas Substanzielles mit nach Hause.
- Was stört? – Diese prinzipiell wichtige Ausstellung, die einen Beitrag zur politischen Bildung leisten könnte, verschreckt ihre Hauptzielgruppe (junge Menschen, Schulklassen) und hinterlässt ein langweiliges, überkomplexes Bild des Deutschen Bundestages.
- Wie hinkommen? – Die Ausstellung wird von den Bundestagsabgeordneten für den jeweiligen Wahlkreis bestellt. Ausstellungsorte und Termine finden sich auf der Website des Bundestages.
- Charme? – Behördlich grau.
- Jahreskarte oder Tagesticket? – Der "Eintritt" ist kostenlos, aber einen Besuch kann man sich getrost sparen. Wer sich über das politische System der Bundesrepublik Deutschland informieren möchte, kann dies sehr viel besser auf der Website der Bundeszentrale für Politische Bildung tun.
- Was gibt’s noch? – Je nach Ausstellungsort eine Amtskantine oder den Hinterhof einer IHK.
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Nur aus nostalgischen Motiven bedienen junge Menschen heute noch derartige "PC-Terminals" |
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